Interviewstudie zum Thema Digitale Teams – Wie arbeiten Digitale Teams heute bereits zusammen? 

Das Forschungsvorhaben Digitale Teams, hat sich als Ziel gesetzt, einen bedeutenden Beitrag zur Erhöhung der Beschäftigungsmöglichkeiten von Wissensarbeitern auf dem Land zu leisten und der Landflucht in Deutschland nachhaltig entgegenzuwirken. Um dieses Vorhaben zu unterstützen, soll zum einen eine Open-Source-Plattform (Ökosystem-Plattform) mit Smart Services für Kollaborations-Apps sowie ein soziales Netzwerk für die digitalen Pioniere in den ländlichen Regionen geschaffen werden.

Von Februar bis Mai 2019 haben wir dazu 14 Interviews* durchgeführt, mit dem Ziel, die bisherigen Ergebnisse über das Arbeiten in Digitalen Teams zu vertiefen. Wir wollten unterschiedliche Erfahrungen in diesem Arbeitskontext sammeln, um die Erkenntnisse im späteren Projektverlauf für die Entwicklung einer Ökosystem-Plattform heranzuziehen. Auf diese Weise möchten wir sicherstellen, dass alle weiteren Entwicklungsarbeiten an der Ökosystem-Plattform auch wirklich dem Endnutzer dienen und nach seinen Wünschen und Vorstellungen konzipiert ist.

Voraussetzung für die Interview-Teilnahme war, dass der oder die Interviewpartner*in in einem Digitalen Team arbeitet. Ein Digitales Team ist für uns eine Gruppe von mindestens 3 Personen, die verteilt an einem gemeinsamen Ziel arbeitet und zumindest phasenweise digitale Technologien nutzt, um zu kollaborieren. Digitale Technologien können dabei synchron oder asynchron sein. Synchrone Kommunikationstechnologien (= digitale Tools) sind z.B. Videotelefonie, Chats, Telefonkonferenzen. Asynchrone Kommunikationsmedien sind z.B. Mails, Projektmanagement-Tools, webbasiertes Whiteboard.

Erkenntnisse aus der Interviewstudie:

Durch die Interviews konnten wir herausfinden, das vor allem die Themenbereiche Kommunikation, Arbeitsorganisation und -struktur, Technik und Tools sowie personale Faktoren am häufigsten als Herausforderungen Digitaler Teamarbeit angesprochen wurden. Hier war und ist es uns ein großes Anliegen einmal genauer hinzuschauen:

Im Bereich der Kommunikation war sich die überwiegende Mehrzahl der InterviewteilnehmerInnen einig darin, dass nach wie vor der persönliche face to face – Kontakt essentiell ist und zwar vor allem in der ersten Phase der Teambildung. Der persönliche Kontakt unterstützt Teams dabei Vertrauen und ein Wir-Gefühl aufzubauen, sich kennenzulernen und die anderen Teammitglieder „als Mensch“ wahrzunehmen. Diese Form des persönlichen Kontakts sei aber auch während der Zusammenarbeit wichtig, da dieser die Produktivität und Kreativität positiv beeinflusse.

Auch das Fehlen der sog. Osmotische Kommunikation wurde von vielen TeilnehmerInnen als Herausforderung genannt. Osmotische Kommunikation ist diejenige Kommunikation, die bei der Zusammenarbeit vor Ort (mit Kollegen gemeinsam im Büro) im Hintergrund abläuft und aus der man beiläufig wichtige Informationen ziehen oder wichtige Informationen in das Hintergrundgespräch einwerfen kann.

Schaut man sich die Aussagen zum Thema Arbeitsorganisation und -struktur an, so fällt auf, dass es hier durchaus zu Widersprüchlichen Aussagen kommt. Beispiel Handslungsfreiheit vs. Partizipation:

Auf der einen Seite schätzen InterviewteilnehmerInnen die Selbstorganisation und das eigenverantwortliche Arbeiten und verstehen dies als Handlungsfreiheit. Auf der anderen Seite müssen die anderen Teammitglieder im Sinne der Transparenz über Arbeitsschritte und aufgabenbezogene Informationen auf dem Laufenden gehalten und ggf. einbezogen werden (Partizipation). Letzteres fördert das Wir-Gefühl, also sich als „Team“ zu verstehen. Wir vermuten daher, dass mit zunehmender Handlungsfreiheit (unabhängiges Arbeiten) auch die Partizipation besonders hoch sein muss.

Mit Blick auf die Toollandschaft, konnten wir für uns ebenfalls einige wichtige Erkenntnisse herausziehen. Die 7 wichtigsten Anforderungen an die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) haben wir in einem Schaubild zusammengefasst:

Schaubild: Anforderungen an Informations- und Kommunikationstechnik in Digitalen Teams

Weitere Herausforderungen lagen in den Bereichen Führung, Transparenz und Informationsmanagement, Kulturelle Unterschiede, Entgrenzung/ psychische Belastung, Herausforderungen auf sozialer Ebene, Vertrauen und Bindung und Datenschutz. Spannend dabei ist, dass das Thema Entgrenzung von Arbeit bzw. psychische Belastung keinen großen Raum einnahm. Auch das Thema Datenschutz wurde kaum angesprochen, und wenn, dann eher von Vertretern öffentlicher Einrichtungen.

Insgesamt können wir sagen, dass wir viele wertvolle Erkenntnisse aus dieser Studie ableiten konnten. Und auch die Tatsache, dass es in einigen Bereichen zu Widersprüchlichkeiten kam, werten wir als wichtige Hinweise darauf, dass je nach Rahmenbedingungen Digitale Teamarbeit anders wahrgenommen wird und dementsprechend auch anders gestaltet werden muss.
Es bleibt also noch einiges zu tun und wir blicken mit Freude und Spannung auf die kommende Projektzeit!


*Interviewpartner: 11 Interviews mit Personen aus der Privatwirtschaft und 3 Interviews mit Vertretern des öffentlichen Bereichs. Darunter waren sowohl Personen, die rein operative Teammitglieder sind und Personen die eine fachliche und / oder disziplinarische Leitung eines oder mehrerer digitaler Teams innehaben.